"Ich komme aus dem Landschaftsstreifen zwischen der Autobahn bei Magdeburg und dem Mittellandkanal. Beste Voraussetzungen zum Schwimmen und Schlittschuhlaufen: Teiche, Steinbrüche, Seen. Die Colbitz-Letzlinger Heide, die Elbe, der Harz, Fläming, Huy und Altmark nicht weit davon. Ich bin von 1976 bis 1979 Panzerfahrer bei der NVA gewesen; Vorbedingung für mein Studium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig: Germanistik und Allgemeine Literatur- und Sprachwissenschaften.

Mit 15 Jahren habe ich zu schreiben begonnen und war 1975 und 1976 zum Zentralen Poetenseminar nach Schwerin delegiert worden.

1991-1993 schrieb ich Gedichte und Kurzgeschichten, zwei Erzählungen wären abgedruckt worden, wäre die Einstellung dieser Zeitschriften nicht dazwischen gekommen. Texte, von denen ich meinte, sie zur Veröffentlichung einzureichen, schrieb ich ab 2005, abgeschickt habe ich die ersten 2007. Meine ersten beiden Erzählungen erschienen in Sinn und Form sowie in der Anthologie Anno 1900, für die 15 Autoren eingeladen worden waren. Gedichte und Prosa schreibe ich seitdem mit gewissen Unterbrechungen, in den letzten beiden Jahren ist das Schreiben nur tageweise unterbrochen. Ich schreibe Notizen überall, Einkaufszentren, Bahnhof, Bus, Straßenbahn, Zug und Flugzeug, mitten auf einer Straße, im Café, bei Feiern und Zusammenkünften, auf der Post oder im Kopf beim Kickern oder bei einer Fahrradtour. Ich verlasse die Runde aus dem Stand, wenn es nötig ist, ich habe schon im Kino, Theater und beim Konzert, im Museum oder in einer Bibliothek angefangen, zu schreiben. Ich nehme dort nur insofern Rücksicht, als dass ich lautlos zu sein versuche. Ich habe viel zu lange dies aus Gründen mir verweigert. Bei Vorträgen anderer oder in einem Gremium ist mir das auch schon geschehen, ohne Absicht, schon gar nicht in negativer, was soll man machen, wenn es anrollt? Ähnlich wie der amerikanische Dichter und Arzt W. C. Williams. Ich kann mitten in einem Gespräch beginnen und entschuldige mich dafür, aber kaum noch in meiner Familie, man kennt und akzeptiert das. Dennoch weiß ich, wovon wir gerade gesprochen haben. Ich mache mir Notizen und schreibe, ganz wichtig, Reisetagebücher, alles mit der Hand, die mir wichtige Quellen sind. Die meisten Entwürfe entstehen in Heften, Prosa hingegen im Wechsel je nach meinem Aufenthaltsort. Ich schreibe nur in linierte Hefte, A5 bis A4. Dafür besorge ich mir in den Ländern wie Australien, Japan, Portugal, Italien, Norwegen, Finnland, Dänemark, England und auf Kreta Schreibhefte: alte Schulhefte, die schon verstaubt liegen, Hefte mit nur 16 Seiten, handgebundene Klopper, immer landeseigene Produkte, und ich liebe die unterschiedlichen Zeilengrößen. Wer mir also etwas schenken möchte: her mit den älteren Exemplaren. Ich bleibe möglichst im Training, denn Schreiben ist auch ein Handwerk und ein Sport, und es macht mir so keinen immer neuen Druck, aus dem Kalten einen Hammer auspacken zu wollen. Schwimmen, Wandern und Radfahren schaffen mir physisch und psychisch gute Bedingungen. Ich bin weltneugierig, bin gerne in anderen Ländern, auch in Deutschland: Ostsee, Amrum, Thüringer Wald, Havel, Elde, Elbe sind Lieblingsgebiete hier.  

Früh beeinflusst hat mein Schreiben die Lektüre von Gedichten Walter von der Vogelweides, Klopstocks, G.A. Bürgers, B.H. Brockes und Hölderlins, deutsche Lyrik im Dreißigjährigen Krieg, dem sich J. Bobrowski und expressionistische Dichter (Lotz, Trakl, Stadler, Lichtenstein, Becher) anschlossen. Heine, Oswald von Wolkenstein, Brecht, Bukowski, W. Blake, französische, polnische und englischsprachige Lyriker sowie die sogenannte sächsische Dichterschule. Volker Braun, Inge Müller, Leising, S. Kirsch und R. Schindel. M. P. Hein, D. Grünzweig gegenwärtig, auch Th. Röthlisberger, Arno Beckmann und J. Zünder, alle wegen einer Arbeit an einem Zyklus Finnland-Gedichte. Unter den jüngeren Lyrikern derzeit A. Schinkel, R. Winkler, M. Poschmann, einiges von J. Wagner, W. Söllner, P. Böhmer. J. Röhnert, U. Kolbe, St. Turowski u. K. Hensel. Ich empfehle Kristina Stanczewskis Gedichtband: Liegt das Land blind wie Zucker. Dauerhafte lyrische Begleiter sind mir S. Plath, Ted Hughes, Les Murray, T. Tranströmer, L. Gustafsson, seit drei jashren auch P. Haavikko und I. Tiihonen. H. Müller, A. Endler, S. U. Thomsen, Burnside und E. Bishop.                          

In der Prosa erinnere ich Schiller, Lenz und französische Realisten des 19. Jahrhunderts, insbesondere V. Hugo und Balzac, Storm, Fontane, Fallada. Später Stig Dagerman, Jayne Ann Philipps, Joyce Carol Oates, Richard Ford, John Updike, Norman Mailer. Dazu St. Crane und Poe. Dann Hamsun. An russischen Autoren: Gontscharov, Nekrassov, Karamsin, Dostojewski; im 20. Jahrhundert: Gorki, Babel, W. Schukschin, Tendrjakow, Aitmatow und Jewtuschenko sowie jüngere Prosautorinnen. Reisebeschreibungen, Reportagen, Tagebücher.

Englischsprachige Autoren: I. McEwan, A. Bierce, T. Capote, O. Henry, St. Crane, A. Munro, Malcolm Lowry, Joseph Heller, T.C. Boyle, J. Irving, D.F. Wallace, V. Woolf, D. Vann, seit langem A. Dubus und W.S. Maugham wie auch K. Mainsfield und nach 1970 geborene Schriftsteller. Und Roy Jaconson."

Texte von Roland Bärwinkel sind bisher u.a. in „Feigenblatt“, „Ostragehege“, „Poesiealbum neu“, „Sinn und Form“ und im Jahrbuch für finnisch-deutsche Literaturbeziehungen erschienen. Bärwinkels erster Gedichtband "Bevor es zu spät wird" wurde 2011 in der Edition Muschelkalk des Wartburg Verlags, Weimar, verlegt.

"Ja, der gebürtige Magdeburger, in der angrenzenden niederen Börde aufgewachsene Bärwinkel ist in den Gedichten seiner Sammlung „Bevor es zu spät wird“ u. a. dem Wunder der Herkunft, der Prägung durch jene, gleichsam aber auch der Entzauberung der Ankunft auf der Spur. Unter der Hand ist ihm dabei ein ganzes Werk entstanden, neben wissenschaftlichen Aufsätzen harrt beispielsweise eine Reihe Erzählungen und Miniaturen der Entdeckung. Seine Lyrik bewegt sich indes auf dem Grat zwischen der Fülle und dem Halt in einem Koordinatensystem, das oft überbordende, in Kaskaden, zuweilen Kavalkaden und Wortspielen dahintreibende Geflecht dieser Texte ist, so scheint es, u. a. durch die Anordnung wie in einem Zettelkasten rückversichert – die Kühnheit, die das Künstlerische benötigt, trägt so eine Art mäßigendes Korsett und erzählt damit eine innere wie äußere Geschichte." Rezension "Die Spur der Roggenmuhme" von André Schinkel auf www.fixpoetry.com.