Erna Fitzner, 1922 geboren, schrieb seit ihrer Jugend Gedichte. „Die Lyrik – das ist kein Flirt, sondern eine große Liebe“ notierte sie in einem Brief. Mehrere Veröffentlichungsversuche scheiterten, ihre Produktivität schmälerte dies aber nicht. Ende der 1960er Jahre erwarb sie das Haus Am Hirschsprung 9 in Berlin-Dahlem. Ihren Beruf – sie war Oberstudienrätin und unterrichtete Deutsch, Geschichte und Erdkunde - gab sie wenig später auf und widmete sich in den folgenden Jahren ganz ihren Gedichten und der Einrichtung eines Salons im Erdgeschoss ihres Hauses, den sie mit Liebe zum Detail gestaltete. Sie sammelte exotische Gegenstände, kaufte rote Samtsessel, Seidenteppiche und Kronleuchter und dekorierte den Raum mit üppigen Blumenbouquets – täuschend echt wirken die Kunstblumenarrangements, die sie zusammenstellte. Zwei große nachgebildete Leoparden setzte sie vor ihr Bücherregal, sie bevölkerte den Salon mit einer Herde hölzerner Elefanten und aus Onyx geschnitzter Papageien. Erna Fitzner hätte viele Gäste in ihrem Salon empfangen und ihnen ihre Gedichte vortragen können. Der Salon blieb jedoch zu ihren Lebzeiten verschlossen, nur ihren engsten Vertrauten - an einer Hand abzählbar - gewährte sie Zutritt.
2005 starb Erna Fitzner. Sie vermachte ihr Haus und ihre Gedichte ihrer langjährigen Nachbarin Elke Rosin, die den Salon zum Leben erweckte.
 
Von 2006 bis 2018 hat Elke Rosin zu privaten Salonabenden in den Dahlemer Literatur- und Kunstsalon eingeladen. Die Räume von Erna Fitzner hat sie im Originalzustand belassen, um die besondere Atmosphäre zu erhalten. Es fanden Lesungen renommierter Schriftsteller, wissenschaftliche Vorträge und Konzerte unterschiedlichster musikalischer Stilrichtungen statt.
Auch für Erna Fitzners Gedichte setzte sie sich leidenschaftlich ein, so las zu Beginn der Salonabende stets eines ihrer Gedichte vor und veröffentlichte eine Auswahl der Texte 2008 in einem eigenen Gedichtband unter dem Titel "Was Leben sein kann". Darüber hinaus war es ihr ein Anliegen, mehr über das Leben von Erna Fitzner zu erfahren.
 
2010 lernte ich Elke Rosin kennen und begann kurze Zeit später mit der Erforschung der Biografie von Erna Fitzner, daneben unterstützte ich Elke Rosin bei den monatlichen Salonabenden. Das sonst oft stille Haus wurde an diesen Abenden zum lebendigen Treffpunkt von Freunden und Gästen des Salons. Im Frühjahr 2018 feierten wir nicht nur den 100. Salonabend, sondern auch die Veröffentlichung meiner Dissertation "Der Traum vom Salon. Erna Fitzner (1922 - 2005), ihr Salon und die Berliner Salonkultur". Das Buch erschien in der dahlemer verlagsanstalt und dokumentiert neben der Biografie Erna Fitzners, die Entstehungsgeschichte des Dahlemer Literatur- und Kunst-Salons, der 2018 mit einem Abschlussfest geschlossen wurde. Der Nachlass Erna Fitzners wird nun im Berliner Landesarchiv aufbewahrt.
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